Nachruf von Prof. Dr. med. Matthias Korell
Vorstandsmitglied Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische
Endoskopie (AGE) (November 2000)

Tief betroffen und traurig müssen wir uns von
einem lieben Kollegen verabschieden.




Wolfgang Stolz war ein ernsthafter Mensch, der immer eine Bereicherung für unser Treffen war. In den Gesprächen mit ihm spürte man seine im echten Sinne „unkonventionellen“ Ansichten, die er auch ohne Rücksicht auf sich selbst vertreten konnte.

Diese Besonderheit zeigt sich auch deutlich in seinem Lebensweg: Aufgewachsen in St. Ingbert arbeitet er zunächst als Dolmetscher in der Schweiz, bevor er eine Ausbildung am europäischen Bibelseminar in Wienacht (CH) machte. Danach studierte er Theologie mit Abschluss als Bachelor of Arts in Cleveland (USA) und führte diesen Weg weiter mit dem Studium der Theologie und Psychologie an der Duke University in North Carolina mit Ausbildung in Gesprächstherapie.

1971 kehrte er nach Deutschland zurück und begann mit dem Medizinstudium in Homburg/Saar. Ich selbst lernte ihn dort während seiner Zeit als Assistenzart in der Universitätsfrauenklinik kennen und verdanke ihm meine ersten gynäkologischen Erfahrungen in der Ultraschall-„Dunkelkammer“ und der Ambulanz. Dort war stets
seine große Kollegialität und Offenheit zu spüren.

Nach weiterer Facharztausbildung unter Prof. Hepp stieg er unter Prof. Bastert bis zum geschäftsführenden Oberarzt und Chefstellvertreter auf. Mit ihm wechselte er nach Heidelberg, um dort weitere 4 Jahre tätig zu sein.

1992 vollzog Wolfgang Stolz erneut einen radikalen Wechsel und arbeitete bis zuletzt in München mit Norbert Pfützenreuter in einer großen Praxis für Ambulante Operationen. Von dort hat er stets die Gemeinschaft der endoskopisch operierenden Gynäkologen durch
seine Präsenz bereichert.

Dieser spannende und interessante Lebensweg – typisch für Wolfgang Stolz, absolut untypisch für unsere Zeit – spiegelt die vielen Aspekte seiner Persönlichkeit wider. Dabei stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien eine „Karriere“ in unserem Fach beurteiltwerden kann und soll. In über 20 Jahren Tätigkeit als Gynäkologe ergaben sich bei vielen seiner Kollegen ganz verschiedene Lebenswege, wobei aber das Lebensglück und die Zufrieden-
heit ganz entscheidend sind. Und die hat sich Wolfgang Stolz, soweit ich ihn erlebt habe, nicht nehmen lassen. Sein Idealismus, seine Ernsthaftigkeit und sein fröhlicher Geist
waren immer spürbar und machten jede Begegnung lebendig und spannend.

Jetzt ist er ganz plötzlich auf Mallorca gestorben. Wir verlieren mit Wolfgang Stolz einen besonderen Menschen und fühlen große Anteilnahme mit seiner Frau und seinen Kindern.

30.10.2000