| 1. Vor
der Operation
Patienten erleben mit der Diagnose Brustkrebs eine komplett neue
Lebenssituation.
Diese Nachricht verändert Vieles in Ihrem Leben dramatisch
und es werden in kurzer Zeit viele Entscheidungen von ihnen verlangt.
Viele Entscheidungen beziehen sich auf die Behandlungen, die
sofort zu erfolgen haben und direkt mit der Wiederherstellung der
Gesundheit zu tun haben.
Andere Entscheidungen beziehen sich jedoch schon jetzt auf das
Wohlbefinden nach Bewältigung der Erkrankung, der körperlichen
Wiederherstellung, die für viele Frauen einen wichtigen psychologischen
Aspekt darstellt.
Sowohl bei der Augmentation (Brustvergrößerung) als
auch bei der Rekonstruktion der Brust nach Brustkrebs handelt es
sich natürlich um einen freiwilligen Eingriff, zu dem man
sich ganz bewusst entscheidet. Umso wichtiger ist es, sich vorab
gründlich zu informieren.
Sicherlich ist es in der Entscheidungsphase hilfreich und sinnvoll,
das Gespräch mit vertrauten Personen zu suchen. Die Entscheidung
für oder gegen eine Operation kann einem jedoch niemand abnehmen.
Es ist eine alleinige und ganz persönliche Entscheidung!
Beim Beratungsgespräch sollten Sie sich nicht scheuen, uns
nach unseren Erfahrungen zu befragen. Wir stehen Ihnen ohne Zögern
Rede und Antwort und zeigen Ihnen gerne Bilder von früheren
Patientinnen.
Unser Tipp: Notieren Sie sich vor dem Gespräch alle Ihre
offenen Fragen.
Zu einer gründlichen Voruntersuchung gehört unter anderem
die Frage nach bestehenden Allergien, chronischen Erkrankungen,
der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, der Neigung zu verstärkter
Narbenbildung und anderen beeinflussenden Faktoren.

2. Brustwiederaufbau nach Brustkrebserkrankung
Für Brustkrebspatientinnen steht inzwischen eine ganze Palette
an operativen Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Brust
zur Auswahl. Auch bei Rekonstruktionen gilt: Überlegen Sie
in Ruhe, ob und wenn ja, welche Art des Wiederaufbaus Sie wünschen.
So nutzen manche Frauen zunächst Ihre ganze Energie für
die Bekämpfung der Krebserkrankung und haben erst danach den
Kopf frei, um über einen Wiederaufbau nachzudenken.
Es gibt aber auf jeden Fall adäquate Möglichkeiten, Ihre
Brust wiederherzustellen.
Die Brusterhaltende Therapie (BET) ist die am häufigsten
angewandte Methode, mit der bis zu 70 bis 80 % der Patientinnen
behandelt werden. Bei ihr wird der Tumor zusammen mit einem ausreichenden
Rand gesunden Gewebes entfernt. Durch Gewebeverschiebung kann eine
ansprechende Form gestaltet werden, wobei die zweite Brust durch
Reduktion in der Größe angepasst werden kann. Anschließend
wird in der Regel eine Bestrahlung der erkrankten Seite vorgenommen.
Wiederaufbau mit Implantaten
Beim heterologen oder Implantatwiederaufbau wird nach Entfernung
des Tumors und des Drüsengewebes zur Rekonstruktion Ihrer
Brust mit Implantaten gearbeitet. Häufig geschieht dies in
derselben Operation, so dass das entfernte Gewebe sofort durch
das Implantat ersetzt wird. Daher wird diese Technik auch als Implantatsofort- oder Primärrekonstruktion bezeichnet.
Eventuell wird vor der Implantateinlage ein Expander eingesetzt,
der die erforderliche Loge für das endgültige Implantat
schafft. Der Expander wird hierfür nach und nach mit Kochsalzlösung
gefüllt und dehnt die Haut, so dass das Implantat anschließend
ausreichend Platz findet. Dies geschieht vor allem dann, wenn die
Tumorentfernung, z.B. nach einer Ablatio mammae länger zurück
liegt und der Platz unter der Haut nicht ausreichend ist. Dies
geschieht in der Regel in 2 Operationen und wird als Sekundärrekonstruktion
bezeichnet.
Wiederaufbau mit Eigengewebe
Beim autologen Brustwiederaufbau wird körpereigenes Gewebe
operativ von verschiedenen Stellen des Körpers in den Bereich
der Brust verlagert.
Die gängigsten Varianten dieser auch Lappenplastik genannten
Methode sind der TRAM-Flap (Transversaler Rectus-Abdominis-Muskel-Lappen) und
der Latissimus-dorsi-Lappen.
Beim TRAM-Flap wird die neue Brust aus Anteilen des geraden
Bauchmuskels sowie Haut- und Fettgewebe des unteren Bauchbereichs
gebildet.
Beim Latissimus dorsi-Lappen dient der gleichnamige Rückenmuskel
als Spender für das Brustgewebe. Diese auch kurz „Lado“ genannte
Technik bringt jedoch häufig nicht genügend Volumen,
so dass sie eher für kleine Brustgrößen geeignet
ist, bzw. mit einem Implantat das fehlende Volumen ergänzt
werden kann.
Beide Lappen können als gestielter oder freier
Lappen durchgeführt werden. Bei einem gestielten Lappen
behält der Haut-Muskel-Lappen seine Verbindung zur Entnahmestelle
und wird hierüber mit Blut versorgt. Das bedeutet, dass
unter der Haut ein Tunnel gebildet wird, durch den der Haut-Muskel-Lappen
von der Entnahme- zur Empfängerstelle geführt wird.
Der freie Haut-Muskel-Lappen wird an der Entnahmestelle komplett
abgelöst und an der Empfängerstelle mikrochirurgisch
wieder an das Blutgefäßsystem angeschlossen.
Eine weitere Methode, die inzwischen häufiger angewendet
wird, ist der DIEP-Flap (Deep-Inferior-Epigastric-Perforator-Flap).
Dies ist ein freier Flap, bei dem lediglich das Unterbauchfettgewebe
mit Haut zur Brustregion verlagert und dort an neue Venen- und
Arterienversorgung angeschlossen wird. Der Bauchmuskel wird dabei
nicht verwendet.
Der Vorteil für die Patientinnen ist, dass gleichzeitig mit
dem Brustaufbau eine Bauchstraffung vorgenommen wird. Durch die
nachfolgende Kompression für 4 - 6 Wochen wird im Bauchbereich
ein dauerhaft gutes Ergebnis erzielt.

3. Implantattypen
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Silikon - eine ganz natürliche
Entscheidung
Silikon-Implantate der neuen Generation sind absolut unbedenklich
und ähneln der natürlichen Gewebestruktur desMenschen.
In unserer Klinik verwenden wir nur qualitativ hervorragende
Gel-Implantate von international führenden Herstellern,
die mit einem EU-Gütesiegel versehen sind. |
Silikon-Implantat
"Runde Form" |
Silikon-Implantat
"Tropfenform" |
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Die früher verfügbaren Hydrogelimplantate sind jetzt
nicht mehr verfügbar, da es keine ausreichenden Untersuchungen über
ihr Langzeitverhalten und eventuelle Wechselwirkungen zwischen
Hülle und Füllung gab. Bei sojaölgefüllten
Implantaten zeigte sich, dass die Füllung nicht stabil war
und nach gewisser Zeit umgebaut wurde. Bei diesem Umbau werden
Stoffe gebildet, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.
Silikongelgefüllte Implantate sind in Deutschland
und Europa der meistverwendete Implantattyp sowohl für die
Augmentation als auch die Rekonstruktion. Stand der Technik ist
das Implantat mit hochquerver-netzter Silikongelfüllung ,
bei dem einerseits das Silikongel durch die Quervernetzung seine
anatomische Form behält, und andererseits durch eine sogenannte „Memory“-Funktion
bei Verformung wieder in die ursprüngliche Form zurückkehrt.
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Die so ausgestatteten Implantate
laufen selbst bei einer Verletzung der Hülle nicht aus
und sind sogar schnittfest.
Oberflächen stehen in glatt, texturiert oder MikroPolyurethanSchaum
(MPS)-beschichtet zur Verfügung. Der Hintergrund, Oberflächen
zu modifizieren, liegt in der Antwort des Körpers auf
Fremdkörper.
Als ganz natürliche Reaktion bildet der menschliche
Organismus um jeden grösseren Fremdkörper eine
Bindegewebskapsel. Im weiteren Verlauf dieser Reaktion kann
sich diese Kapsel zusammenziehen (kontrahieren), so dass
eine Verformung des Implantats und u.U. eine schmerzhafte
Verhärtung resultieren. Dies wird Kapselfibrose genannt.
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Die Neigung der Bindegewebskapsel zu kontrahieren, wird wesentlich
durch die Orientierung der Gewebsfasern, aus denen sie besteht,
beeinflußt. Je regelmäßiger die Fasern angeordnet
sind, um so größer ist das Risiko für eine Kapselfibrose.
Um die Bildung einer Kapsel mit regelmäßig angeordneten
Fasern um das Implantat zu vermeiden, wird die Oberfläche
durch Texturierung der Hülle modifiziert. Hierdurch werden
die Fasern der Kapsel in ihrer Orientierung gestört und können
sich nicht linear an das Implantat anlagern. Dadurch können
sich die Fasern nicht oder nur schlecht zusammenziehen.
Fibroseraten von über 50 % können so auf unter 3 % gesenkt
werden.

4. Nach der Operation
Zur Vermeidung von Hämatomen oder Seromen ist es wichtig,
Kompressionsbustiers zu tragen.
Bei Implantatrekonstruktionen verhindern nur sie durch ihr enges
Anliegen und den Druck, den sie auf das Gewebe ausüben, dass
sich zwischen Implantat und Gewebe Lymphe oder Blut ablagern kann.
Dies kann ansonsten zu Narbenbildung, einer erhöhten Kapselfibroserate
und schlechter Einheilung der Implantate führen.
Bei autologen Operationen bringt die Kompression das Gewebe in
direkten Kontakt, so dass der Heilungsprozess beschleunigt wird.
Auch hier können Serome und Hämatome zur Narbenbildung
beitragen.
Aus dem gleichen Grund verbleiben die Wunddrainagen nach der Operation
noch für einige Zeit, so dass überschüssiges Serum
und Blut abfliessen können und den Heilungsprozess nicht stören.
Gerade nach autologen Operationen leiden Patientinnen unter Bewegungseinschränkungen,
das Gewebe steht unter Spannung, die Haut muss sich an der Entnahmestelle
erst wieder dehnen. Daher müssen sich Patienten nach autologen
Operationen auf längere Heilungszeiten einstellen, als Patienten
nach heterologen Eingriffen.
Ihr behandelnder Arzt verabredet mit Ihnen die Termine zur Nachuntersuchung
und bespricht alle relevanten Themen. Zögern Sie nicht, alle
Fragen zu stellen, die Ihnen einfallen.

5. Sicherheit von Silikon
Was ist Silikon?
In der Medizin wird Silikon in einer Vielzahl von Produkten verarbeitet:
z. B. Sonden, Katheter, Beschichtung von Punktionsnadeln und
Herzschrittmachern, Handschuhe und Wundauflagen. In der Weichteilchirurgie
werden Implantate zur Körperkonturkorrektur verwendet.
Das erste Verfahren zur Herstellung von Silikonpolymeren wurde
1958 patentiert.
In der Sprache der Chemiker ist Silikon ein Polydimethylsiloxan,
das als Silikonelastomer, Silikongel und als Silikonöl hergestellt
wird.
In Silikonen sind Sauerstoff und Silizium in der gleichen Weise
miteinander verknüpft wie bei Steinen und Glas. Zusätzlich
sind Methylgruppen an die Siliziumatome gebunden. Außer pyrogener
Kieselsäure - (amorphes Silica) - als stabilitätserhöhendes
Füllmaterial enthält Silikon keine weiteren Zusätze,
insbesondere keine Weichmacher. Somit steht ein stabiles, chemisch
sauber definiertes Implantationsmaterial zur Verfügung.
Wie lange hält ein Implantat?
Für ein einzelnes Implantat lässt sich diese Frage nicht
beantworten, da jeder Organismus individuell auf einen Fremdkörper
reagiert. Grundsätzlich können nur statistische Daten
aus medizinischen Studien gewonnen werden. Die verlässlichsten
Daten stammen dabei aus Studien, bei denen Implantate untersucht
wurden, die aus verschiedensten Gründen wieder explantiert
wurden. Diese Untersuchungen ergaben eine duchschnittliche Haltbarkeit
von mehr als 10 Jahren. Die kontinuierliche Verbesserung der Implantate
lässt eine verlängerte Haltbarkeit der modernen Implantate
erwarten. Dennoch sollten sich besonders jüngere Frauen bewusst
sein, dass bei jedem Implantattyp und jeder Implantatmarke die
Notwendigkeit eines Implantataustauschs möglich ist. Halbjährlich
bis jährlich sollte das Implantat von Ihrem behandelnden Arzt
kontrolliert werden.
Implantatpaß und Dokumentation
Nach Einlage der Implantate erhalten Sie von Ihrem Arzt einen Implantatpaß.
Diesen sollten Sie stets bei sich führen, damit jederzeit
Implantattyp und -größe feststellbar sind. Bitte weisen
Sie Ihre behandelnden Ärzte zu Ihrer eigenen Sicherheit auf
Ihre Implantate hin.
Werden Tests zur Sicherheit der Implantate durchgeführt?
Ja. Seit vielen Jahren wird die Sicherheit und Zuverlässigkeit
der Implantate konstant belegt. Das Sicherheitsprofil beruht auf
der Erfahrung aus 35 Jahren.
Europaweit sind durch die Medizinprodukterichtlinie und Normen
klare Anforderungen an diese Produkte festgelegt. Werkstoffe, Produktentwicklung,
Herstellung, Sterilisation und Verpackung unterliegen strikten
Regelungen.

6. Mögliche Komplikationen
Beeinflussen Brustimplantate die Brustkrebshäufigkeit?
In großen Studien wurde festgestellt, daß Implantatträgerinnen
nicht häufiger als Frauen ohne Implantate an Brustkrebs erkranken.
Ein Brustimplantat hat keinen Einfluß auf die Entstehung
von Brustkrebs. Weder beim Menschen noch im Tierversuch wurde aufgrund
von glattwandigen, texturierten oder MikroPolyurethanSchaum (MPS)-beschichteten
Implantaten Krebs beobachtet. In der Wissenschaft werden jedoch
theoretische Risiken diskutiert.
Besteht durch Implantate ein größeres Risiko für
Autoimmunerkrankungen?
Nein! Bis heute ist kein Zusammenhang zwischen silikongelgefüllten
Implantaten und Autoimmunerkrankungen nachgewiesen.
Kann Silikongel durch die Implantathülle gelangen?
Im Gegensatz zu früheren Implantatgenerationen sind aufgrund
der verbesserten Implantathüllen und einer veränderten
Gelkonsistenz nur noch geringste Spuren des Gels innerhalb der
Bindegewebskapsel um das Implantat auffindbar.

7. Kontrolluntersuchungen
Der Sie behandelnde und langfristig betreuende Arzt der Klinik
mednord wird mit Ihnen die Kontrollintervalle festlegen.
Wir empfehlen bei Implantatrekonstruktionen Nachfolgeuntersuchungen
nach 1 Monat, dann nach 3, 6 und 12 Monaten, anschliessend halbjährlich
bis jährlich.
Krebsvorsorge mit Implantaten ist möglich. Mit einer speziellen
Technik, der Eklund-Technik, wird die Mammographie bei Brustimplantatträgerinnen
durchgeführt. Moderne bildgebende Verfahren - Sonographie,
Kernspintomographie oder Computertomographie - unterstützen
das rechtzeitige Auffinden einer Geschwulst.

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